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Franz Schreker
(1878 - 1934)
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Home >> aktuelle Aufführungen >> Rezensionen ("Die Gezeichneten", Salzburg)

 

 

 

                                                

Rezensionen zu "Die Gezeichneten" (Salzburg)

Der Dirigent Kent Nagano und der Regisseur Nikolaus Lehnhoff müssen - durchaus nicht selbstverständlich im Opernbetrieb - kongruente Vorstellungen besessen haben über das, was Schrekers Musik im Innersten zusammenhält. Wie bei keinem anderen Komponisten vor ihm und kaum einem nach ihm ereignet sich musik-dramatisches Geschehen bei Schreker im Klang, nicht in melodischen Motiven und Themen. Mit anderen Worten: Bei Schreker ist der Klang nicht das Medium, nicht die Verstärkung eines musikalischen Gedankens, sondern dieser selbst... Es gehört zu den Vorzügen dieser musikalisch leicht gekürzten Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff, dass sie sich nicht aktualisierend aufdrängt, aber in der Stilisierung zwischen archetypischen Bildern, symbolträchtigen Motiven, ritualisierenden Abläufen und psychologischen Grundmustern genug Freiraum für Einblicke in die Ausgeburten menschlichen Wahns lässt, der keiner Zeit allein vorbehalten ist.
Wolfgang Sandner, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.07.2005

Nikolaus Lehnhoff vertraute für seine Regie in der Salzburger Felsenreitschule seiner eigenen intensiven Kunstvorstellung, um an das existentielle Handlungsgefüge und an die Gefühlskräfte und -defizite der Personen der Oper heranzukommen. Was er an dem Stück zeigt, ist weniger das Drama der Genueser Schickeria, die sich auf die Insel "Elysium", eine Scheinwelt, schöne Frauen entführt, um sich bis zum Lustmord mit ihnen zu amüsieren, sondern sind die "Ersatz- und Scheinwelten", sind die Masken und Verkleidungen. So rückt er Schrekers Oper überzeugend in die Distanz einer geradlinigen Stilisierung. Kent Nagano lehnt den oft benutzten Begriff der "Opulenz" im Zusammenhang mit Schrekers raffinierter Orchesterkunst ab. Er nennt die Partitur lieber "reich an Textur". Unter seiner glasklaren Leitung entfaltet das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin eine Fülle sinnlichster Klangfarben. Die Durchhörbarkeit des dichten orchestralen Stimmengewebes ist phänomenal, die vibrierende Spannung einer motivisch und rhythmisch zuweilen überspannten Musik greifbar, die immer wieder auch das melodische Pathos eines Puccini nach außen kehrt. Nagano hat soviel Gefühl wie richtiges Timing für die Magie, das seelische Geheimnis dieser Musik. Die allgemeine Schreker-Renaissance mag getrost ausbleiben, wird seine Opernkunst so subtil und expressiv ausbalanciert dargeboten wie in dieser am Ende gefeierten Aufführung.
Wolfgang Schreiber, Süddeutsche Zeitung, 28.07.2005

Nach Frankfurt 1979, Düsseldorf 1987 und Stuttgart 2002 bildet diese Deutung einen weiteren Meilenstein in der späten Wirkungsgeschichte von Franz Schrekers Oper "Die Gezeichneten". Peter Ruzicka, der sich die Pflege der "entarteten Musik" auf die Fahnen geschrieben hat, ist mit dieser Salzburger Eröffnungspremiere ein gewisses Risiko eingegangen. Der Mut hat sich voll und ganz gelohnt. Peter Hagmann, Neue Züricher Zeitung, 28.07.2005 Es ist erfreulich, dass die Salzburger Festspiele eine Rarität an den Begin ihres Opernprogrammes 2005 gerückt haben. Das Riesen-Mega-Giga-Maxi-Spektakel namens "La traviata" kommt ohnehin noch früh genug. Intendant Peter Ruzicka stellt Franz Schrekers Oper "Die Gezeichneten" noch einmal zur Diskussion. Und genau das ist auch eine der Aufgaben von Festspielen: Zu verwirklichen, was im täglichen Repertoirebetrieb fehlt... Das Dirigat von Kent Nagano, der am Pult seines Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin steht, ist so einfühlsam und differenziert, dass man ihn als idealen musikalischen Leiter für dieses Werk bezeichnen kann... Eine zunächst statische, dann aufwühlende Regie... Eine Aufführung, die man nicht verpassen sollte.
Gert Korentschnig, Kurier, 28.07.2005

Directed by Nikolaus Lehnhoff, with Kent Nagano leading his Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, it was an engrossing evening that conveyed not only the vertiginous beauty of Schreker's music, but also the composer's theatrical gifts, his penchant for probing the unconscious drives and boundless yearnings of his characters in a world that is crumbling around them… Mr. Nagano led his ensemble in a masterfully paced reading of the score, showing an intuitive feel for Schreker's palette with all its blends and subtle shading. At the opera's most riveting moments, the sound had a way of billowing out from the orchestra, like a soft wind blowing from a place unseen.
Jeremy Eichler, The New York Times, 28.07.2005